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        Selected: "ALLE"

Joseph Roth

Österreichische Schriftsteller

Joseph Roth hat seine Herkunft zum Gegenstand vielfacher Verschleierungen und Mystifikationen gemacht. Vor allem die Person seines Vaters erschien in mehrfachen schillernden Umgestaltungen: Er sei der uneheliche Sohn eines österreichischen Offiziers, eines polnischen Grafen, eines Wiener Munitionsfabrikanten. All diesen Erzählungen ist gemeinsam der frühe Verlust des Vaters. Dementsprechend zieht sich der Vaterverlust, und in übertragener Form der Verlust des Vaterlandes, nämlich der österreichischen Monarchie, als ein roter Faden durch Roths Werk.

Tatsächlich wurde Roth in der galizischen Kleinstadt Brody geboren, einem stark jüdisch geprägten Schtetl in der Nähe von Lemberg (polnisch Lwów, ukrainisch Lwiw), das damals noch zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte. Brody war Grenzstadt zum russischen Wolhynien. Roth behauptete später, in Szwaby (Schwaby), einem kleinen Dorf in der Nähe von Brody geboren worden zu sein, dessen Einwohner mehrheitlich deutschstämmig waren (Schwaben, daher der Name), im Gegensatz zur jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Brody.

Seine Mutter Maria Grübel stammte aus einer in Brody ansässigen Familie jüdischer Kaufleute, sein Großvater handelte mit Tuch, seine fünf Onkel mit Hopfen. Der Vater Nachum Roth stammte aus orthodox-chassidischem Umfeld. Bei der Heirat 1892 war er Getreidehändler im Auftrag einer Hamburger Firma. Als von ihm in Kattowitz eingelagerte Waren veruntreut wurden, musste er zur Regelung der Angelegenheit nach Hamburg reisen. Auf der Rückreise wurde er durch sein Verhalten im Zug auffällig, und deswegen zunächst in eine Anstalt für Geisteskranke eingewiesen, schließlich seinen westgalizischen Verwandten übergeben, die ihn der Obhut eines russisch-polnischen Wunderrabbis übergaben, an dessen Hof er Jahre später von einem der Onkel Roths ausfindig gemacht wurde, der den Vater als sehr schön, unaufhörlich lachend und völlig unzurechnungsfähig beschrieb.

Kindheit und Jugend in Brody

Roth berichtete später stets von einer von Armut und Dürftigkeit geprägten Kindheit und Jugend. Demgegenüber weisen Photographien aus der Zeit und die Berichte seiner Verwandten auf zwar nicht wohlhabende, aber durchaus bürgerliche Lebensumstände hin: seine Mutter hatte ein Dienstmädchen, er erhielt Violinunterricht und besuchte das Gymnasium

In anderer als materieller Hinsicht war die Lage seiner Mutter allerdings tatsächlich prekär: sie war keine Witwe, da ihr Mann noch lebte bzw. als vermisst galt, durch die Abwesenheit des Mannes war sie aber auch keine vollwertige Ehefrau, und sie konnte sich nicht scheiden lassen, da dies einen Scheidebrief (Gett) ihres Mannes erfordert hätte, dazu hätte dieser aber bei Sinnen sein müssen. Zudem galt im orthodoxen Judentum Galiziens der Wahnsinn als ein Fluch Gottes, der auf der ganzen Familie lag und die Heiratsaussichten der Kinder deutlich verschlechterte, weshalb in der Familie über das Schicksal des Vaters geschwiegen wurde und man lieber das Gerücht hinnahm, Nachum Roth hätte sich erhängt.

Die Mutter lebte zurückgezogen und versorgte bis zu dessen Tod im Jahr 1907 den Haushalt des Großvaters. Sie konzentriert sich einzig auf die Erziehung des Sohnes, der daher abgeschlossen und behütet aufwuchs. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn scheint in den späteren Jahren schwierig gewesen zu sein. 1922 erkrankte die Mutter an Gebärmutterhalskrebs und wurde in Lemberg operiert, wo der Sohn sie kurz vor ihrem Tod ein letztes Mal sah.

Ab 1901 (also mit sieben Jahren) besuchte Roth die Baron-Hirsch-Schule in Brody. Die Baron-Hirsch-Schulen waren von dem jüdischen Eisenbahnmagnaten und Philanthropen Maurice de Hirsch gegründete Handelsschulen, die sich anders als die Cheder genannten orthodoxen Traditionsschulen nicht auf den religiösen Unterricht beschränkten, sondern an denen über Hebräisch und Thorastudium hinaus auch Deutsch, Polnisch und praktische Fächer unterrichtet wurden. Die Unterrichtssprache war Deutsch.

Von 1905 bis 1913 besuchte Roth das Kronprinz-Rudolf-Gymnasium in Brody. Es ist nicht ganz klar, ob das Schulgeld von 15 Gulden pro Semester (damals eine erhebliche Summe) von seinem Vormund und Onkel Siegmund Grübel bezahlt oder ob es ihm per Stipendium erlassen wurde. Roth war ein guter Schüler: als einziger jüdischer Schüler seines Jahrgangs erhielt er im Abitur das Prädikat sub auspiciis imperatoris. Auf seine Mitschüler wirkte er zurückhaltend bis arrogant, ein Eindruck, den er auch später bei seinen Kommilitonen an der Wiener Universität hinterließ. In diese Zeit fallen seine ersten schriftstellerischen Arbeiten (Gedichte).

Studium in Lemberg und Wien

Nach seinem Abitur im Mai 1913 übersiedelte Roth nach Lemberg, wo er sich an der Universität immatrikulierte. Unterkunft fand er bei seinem Onkel Siegmund Grübel, doch scheint es zwischen dem nüchternen Kaufmann und dem angehenden Dichter bald zu Spannungen gekommen zu sein. Eine mütterliche Freundin für viele Jahre fand er in der damals 59-jährigen Helene von Szajnoda-Schenk, einer gebrechlichen, aber geistig sehr lebhaften und hochgebildeten Dame, die im Haus des Onkels eine Wohnung gemietet hatte. Auch mit seinen Cousinen Resia und Paula verband ihn bald eine Freundschaft.

Die Atmosphäre Lembergs war überhaupt geprägt von sich verschärfenden Spannungen, nicht nur zwischen den Nationalitäten (an der Universität kam es damals zu Kämpfen zwischen polnischen und ruthenischen Studenten), auch innerhalb des Judentums gärte die Auseinandersetzung zwischen Chassidismus, Haskala (Aufklärung) und der immer stärker werdenden zionistischen Bewegung. In Brody war Roths Jahrgang der letzte mit Deutsch als Unterrichtssprache gewesen und an der Universität Lemberg war seit 1871 Polnisch die Unterrichtssprache. Dass Roth seine literarische Heimat offenbar in der deutschen Literatur sah, mochte einer der Gründe gewesen sein, Lemberg zu verlassen und sich für das Sommersemester 1914 an der Wiener Universität zu immatrikulieren. Inwieweit Roth tatsächlich in Lemberg studiert hatte, ist nicht klar. Er hat sich jedenfalls schon im Herbst 1913 zeitweise in Wien aufgehalten, wo er vom 2.-9. September 1913 am XI. Zionisten-Kongress teilnahm.

In Wien nahm sich Roth zunächst ein kleines Zimmer in der Leopoldstadt, im folgenden Semester bezog er zusammen mit seiner Mutter, die vor den Wirren des ausbrechenden Krieges nach Wien geflohen war, eine kleine Wohnung im XX. Bezirk (Wallensteinstr. 14/16). Roth und seine Mutter, zu denen später auch noch die Tante Rebekka (Riebke) zog, lebten in dieser ersten Zeit in recht dürftigen Umständen: Roth war ohne Einkünfte, seine Mutter bezog die geringe Flüchtlingshilfe und die Zuwendungen des Onkels Siegmund konnten während der russischen Okkupation Galiziens wohl nur sporadisch erfolgen.

Roth schien dennoch optimistisch und begann mit Elan das Studium der Germanistik. Er legte Wert auf Erfolg in den Prüfungen und darauf, von den Professoren zur Kenntnis genommen zu werden. Im Nachhinein urteilte er freilich negativ über Studenten und Kommilitonen - wie so viele junge Schriftsteller, die an der Universität Dichtung suchten und Germanistik fanden. Eine Ausnahme bildete Walther Brecht, der Ordinarius für neuere deutsche Literatur. Heinz Kindermann, der Assistent Brechts, wurde wohl zu einer Art von Rivale. In der 1916 erschienenen ersten Erzählung Der Vorzugsschüler war Kindermann Vorbild für die Hauptfigur Anton Wanzl, einen mit einigem Hass und einiger Kenntnis geschilderten Charakter.[1]

Bald besserte sich die materielle Situation. Stipendien und einige Hauslehrerstellen (u.a. bei der Gräfin Trautmannsdorff) erlaubten Roth die Anschaffung guter Anzüge. Mit Bügelfalte, Stock und Monokel beschreiben ihn Zeugen der Zeit als Abbild des Wiener „Gigerls“. <



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